Sonntag, 22. Februar 2015

„Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“


„Wow“ denkt Gerda als sie auf die anderen hinabblickt, „irgendwie verdammt hoch hier.“ Langsam entspannt sie sich und lässt ihren Blick schweifen. Ein Hochgefühl durchflutet sie. Sie sitzt im Sattel. Im Sattel eines  Araber-Hengstes. Ein wunderschönes, lebendiges Tier. Und groß ist es. Wieder staunt Gerda über sich und die Welt da unten. Das ist das erste Mal in ihrem Leben, das sie auf einem Pferd sitzt und gleich geht es los. Sie wollen einen kleinen, sachten ersten Ausritt wagen. Eine Stimme in ihr fragt: „Warum habe ich 53 Jahre damit gewartet?“

„Vielen Dank“ hört sie ihre Worte nach hallen. Kerstin ist überglücklich. Sie hat es geschafft, ihr Vortrag ist beendet. Bevor sie sich umdreht, hört sie den Applaus aufkommen. Es ist mehr als ein Lächeln, das sich über ihr Gesicht zieht. So locker war sie noch nie. Heute hat eben alles gestimmt. Nach und nach werden Fragen gestellt, die sie ebenso souverän beantwortet, auch wenn sie nicht immer eine Antwort weiß. Sie weiß, sie muss nicht perfekt sein, sie muss nicht alles wissen.
Auf dem Heimweg kreisen die Gedanken um ihre Präsentation. Was war heute anders als sonst? „Ich habe heute das erste Mal keine Angst gehabt“ erkennt sie. „Heute, nach gefühlten 1000 mal das erste Mal keine Angst.“

Ich gebe zu, als ich die Frage: „Wann habe ich das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?“ in der Zeitschrift ‚Good Health‘ Nr. 2 las, traf es mich wie ein Blitz. Bis heute lässt sie mich nicht mehr los.


Was bedeutet es: Zum ersten Mal?


Der erste Schrei, der erste Schritt, der erste Kuss, die erste Liebe und und und ...
Das sind Begebenheiten, die wir uns bewusst machen. Entweder ist ihr Zauber so groß, das wir sie nicht mehr vergessen (zum Beispiel bei unserem ersten Kuss) oder aber unsere Emotionen lassen es uns als besonderes Ereignis (zum Beispiel der erste Schrei bei der Geburt unseres Kindes) wahrnehmen und speichern.

Das erste Mal, wo wir unsere Neugier befriedigen, unserer Entdeckerlust nachgeben, unseren Wissensdurst stillen. Das erste Mal wo wir das pure Leben spüren.
Empfinden wir das nach 10, nach 20 oder nach 30 Jahren Beruf und Familie noch? Haben wir es uns in unserer Komfortzone so bequem gemacht, das wir dieses Entdecken, diese Neugier nicht mehr benötigen? Meine Mutter meinte immer: „Aus dem Alter bin ich raus.“ Doch sind wir das wirklich? Was gibt es uns, eine Tätigkeit, ein Gefühl, einen Moment zum aller ersten Mal durchzuführen und zu erleben?

Wann nun haben wir ein solches Gefühl zum letzten Mal empfunden? Dieses WOW-Gefühl. Warum auch immer, es gibt uns in diesem Moment unendliche Kraft und Dankbarkeit. Das Gefühl glücklich zu sein ist tief damit verbunden.

Ist also dieses erste Mal ein Stück vom Glück?


Wir leben in einer Zeit, da wir oft etwas Neues beginnen, also auch bestimmte Sachen das erste Mal machen. Doch nehmen wir dies noch wahr? Oder sitzen wir so sehr in unserer Welt fest, das wir dieses Besondere nicht mehr beachten? Sind wir in unserer stressigen Zeit so sehr überfordert mit allen Informationen, Anforderungen oder Erwartungen, dass wir nicht mehr das kleinste erste Mal sehen? Lebenslanges lernen ist nur ein Begriff, der dies sogar bedingt. So kann man zum Beispiel das erste Mal eine fremde Sprache nutzen, einen neuen Beruf erlernen oder einfach etwas zum ersten Mal mit anderen Augen sehen.

Wann hast du das letzte Mal etwas als einmalig empfunden?

Denn einmalig, das ist es – das erste Mal. 
Was danach kommt, ist Wiederholung, ein Verbessern, ein ...

Schauen wir unser Leben einmal genauer an. Wir erleben oft etwas das erste Mal, wir nehmen es nur nicht mehr wahr. Es ist, als ob wir in unserem Leben gefangen wären und mit Scheuklappen unseren Weg tagein und tagaus gleich gehen. Warum auch ändern. Es geht uns doch gut. Wir fühlen uns sicher und geborgen. Es geht alles seinen Gang.

Das erste Mal. Können wir es auch heute noch bewusst erleben? Oder haben wir bereits alles erlebt?

Achtsamkeit ist die Grundlage für das Entdecken, Erkennen und Erleben.


Wie können wir achtsam durch unseren Tag gehen?

  1. Öfter kleine Pausen einlegen.
    Damit schaffst du dir etwas Abstand zur Tätigkeit und kannst dich entspannen. Das wiederum ermöglicht dir einen anderen Blick auf die Dinge. Vielleicht siehst du hier etwas zum ersten Mal ganz anders?
  2. Nimm die Umwelt bewusst wahr.
    Schaue um dich. Lass die Farben, Gerüche und Geräusche auf dich wirken. Gibt es etwas, was du noch nicht kennst? Etwas, was du so noch nicht erkannt hast?
  3. Nimm dich als wirklich einmalig wahr.
    Dich gibt es nur ein einziges Mal auf dieser Welt. Du bist etwas Besonderes. Lass dieses in dir wirken und nimm es an. Es schafft in dir einen anderen Blick auf dich selbst und dein Können. Du kannst Neues entdecken und so den Moment des ersten Males erleben.

Ich für mich, möchte meine kindliche Neugier wieder stärken, will das prickelnde Gefühl der Erwartung spüren, die Freude der Entdeckung, die Seligkeit eines Momentes spüren. Und was willst Du?





Sonntag, 8. Februar 2015

Zufrieden, leichter und glücklicher

Andrea geht gerade ihren Tagesplan durch, als das Telefon klingelt.
Auch das noch. Ihre Tante liegt im Krankenhaus und sie möchte doch bitte ein paar Kleidungsstücke in die Klinik bringen.
Das hat ihr grade noch gefehlt. Wie soll sie das schaffen? Ihr Tag ist doch so schon vollgestopft. Und überhaupt, sie hasst Krankenhäuser!


Zuerst muss sich Andrea im Krankenhaus durchfragen. Keiner weiß was. Was ist denn nun los? Doch dann hat sie die richtige Station gefunden. In Ihr macht sich das mulmige Gefühl breit, das sich bis jetzt wegen des Stresses zurückgehalten hatte.
Was soll sie machen? Wie soll sie mit Tante Elisabeth reden? Was ist überhaupt passiert? Was wird sie erwarten? Sie fühlt sich so hilflos. Das macht es ihr noch schwerer hier sein zu müssen.

Langsam drückt sie die Klinke der Tür zum Zimmer von Elisabeth runter und erschaudert. Was sie sieht, ist eine kleine, zarte Frau mit blasser fast durchsichtiger Haut. Die Augen tief in der Höhle liegend scheint sie komplett abwesend. Zusammengekrümmt liegt sie hilflos unter der Decke.

Als Elisabeth Andrea erkennt, beginnen ihre Augen zu leuchten und es ist, als würde das Leben in ihren Körper zurückkehren.
Noch eine Stunde später kann man die beiden hören und zusehen, wie sie lachen und erzählen. Sie sind fröhlich, glücklich sich zu haben und nutzen die Zeit.

Am Abend ist Andrea etwas erstaunt über diesen Tag. Trotz des Krankenhausbesuches hat sie alles auf ihrer Liste geschafft und dabei gar nichts als schwer oder stressig wahrgenommen.
Wie kommt denn das?

Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.
André Gide

Wer will glücklich sein?

Wer will seinen Tag zufriedener abschließen?
Wer will das Leben als leicht und einfach spüren?

Ich höre schon die vielen Einwände:
Das Leben ist nicht einfach.
Was ist schon Glück?
Ich habe eh kein Glück.
Ich habe niemanden. Mich liebt keiner.
Und viele andere mehr, die wir so seit unserer Kindheit immer wieder hören und sagen.

Doch was macht uns eigentlich glücklich?

  1. Annehmen
    Annehmen von Situationen, Personen, „Fehlern“, Gefühlen. Nimm sie
    bewusst wahr und in Deinem Leben auf. Heiße sie willkommen. Auch negative Gefühle wollen wahrgenommen werden und werden durch Deine Annahme – zum Beispiel: Jetzt bin ich traurig oder wütend und ich darf auch traurig oder wütend sein.
  2. Verzeihen
    Hass oder Wut erzeugt ein immer tiefer werdendes schlechtes Gefühl. Dieses Gefühl breitet sich aus und verdirbt alles Andere. Hast Du das Gefühl an sich erkannt und angenommen, ist es gut, zu verzeihen. Das bedeutet nicht zu vergessen, doch mit dem Verzeihen besänftigst Du Deine Gefühle und kannst wieder das Schöne im Leben erkennen und auch leben. Verzeihe Dir selbst – zum Beispiel in die Situation geraten zu sein - und den Anderen. Hier geht es nicht um Schuld. Hier geht es um Deine innere Ruhe und den Seelenfrieden.
  3. Loslassen
    Loslassen kannst Du Menschen, Situationen oder Dinge. Alles was Dir das Leben schwer macht, solltest Du loslassen.
  4. Pausen
    Arbeiten kannst Du wie wild. Du schaffst und machst. Du bist stark und allem gewachsen. Damit das so bleibt, schaffe Dir Pausen. Pausen, die Du mit Dingen füllst, die Dir Spaß machen. Es kann so viel sein. Ein Kaffee, ein Buch, einen Bummel …
  5. Belohnen
    Hast Du einen besonders stressigen/schweren Tag dann nimm Dir bewusst die Zeit, Dich dafür zu belohnen. Baue dies in Deinen Plan mit ein. Hab ich … geschafft, dann mach ich … Damit sind am Ende auch ungeliebte Tätigkeiten positiv.
  6. Sich für andere freuen
    Mach anderen eine Überraschung, mach anderen eine Freude oder sei für andere da. Das Gefühl, wenn andere sich freuen ist ansteckend. Freu Dich mit und genieße diese Freude. Sie schafft auch in Dir neue Kraft.

Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.

Carl Spitteler


Schau in deinem Leben nach Situationen und Momenten, in denen Du Dich wohlgefühlt hast, ja glücklich warst.

Wann war das?
Was ist da geschehen?
Gibt es zwischen den Situationen Muster?
Kannst Du dies auf jetzt und dann übertragen?

Oft übersehen wir das Glück, welches uns jeden Tag begleitet. Wir überrennen es, wir ignorieren es. Es kann ja gar nicht sein, dass wir uns jetzt gut fühlen, das wir jetzt sogar glücklich sind. Meist sind es die Kleinigkeiten. Ein Treffen mit Freunden, an dem wir Spaß miteinander haben. Ein einfaches, freundliches Telefonat. Ein gelöstes Problem. Ein tiefer Atemzug bei blauem Himmel und Sonnenschein und vieles mehr. Wenn wir bewusst unseren Tag anschauen, können wir viele dieser Kleinigkeiten entdecken. Selbst wenn Du jetzt sagts: „In meinem Tag ist alles nur sch…“, „Da gibt es nichts Lohnenswertes zu entdecken, nichts Schönes.“

Schreibe das positive auf.


Schau genau hin. Nimm Dir die Zeit und geh Deinen Tag genau durch. Du wirst die kleinen, schönen Momente finden.
Schreib sie auf und Du wirst sehen, Dein Tag wird zunehmend leichter, freundlicher ja glücklicher.

Gib jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu werden.

 Verfasser unbekannt

Ich wünsche Euch viele glückliche Momente. Seid sie Euch bewusst und genießt sie. Schreibt mir doch in die Kommentare, was Eure Erfahrungen mit dem „Glücklichsein“ sind. Ich freu mich drauf.